Diese Best Practice wurde eingereicht von:
Verein der Mongolischen Akademiker e. V.

Praxis-Workshop: Engagement stärken durch Empowerment

Viele mongolische Vereine und vermutlich auch andere Migrantenvereine in Deutschland haben keine oder sehr wenig Kenntnisse über Förderinstrumente für ihre Aktivitäten und für ihr Engagement. Entsprechend niedrig sind die Erfahrungen mit Antragstellungen sowie auch mit Suchen und Finden geeigneter Förderressourcen. Der Grund hierfür liegt vor allem darin, dass viele Vereinsaktive ihr Engagement als selbstverständlich betrachten und nicht erahnen, dass ihre Aktivitäten zum sog. „Bürgerschaftliches Engagement“ gezählt und entsprechend auch gefördert werden können.

Ziel des Workshops war es, gemeinsam mit den Teilnehmenden den Begriff „Bürgerschaftliches Engagement“ und seine Bereiche zu erläutern. Auf dieser Basis sollte ein Überblick über Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten geschaffen sowie die Grundlagen zur Antragstellung und Förderrichtlinien vermittelt werden. Wichtig dabei war es, die mongolischen Vereine in Deutschland zu befähigen, ihre bisherigen Aktivitäten und ihr Engagement mithilfe der finanziellen Unterstützung zu professionalisieren, zu stärken und weiter auszubauen. Dies sollte ihnen weiterhin helfen, ihr Engagement in der deutschen Gesellschaft sichtbarer zu machen und mehr Akteure zu erreichen.

Die Durchführung des Workshops

Der Workshop wurde erfolgreich durchgeführt und richtete sich an Vertreter der mongolischen Vereine und Initiative, die mit Planung der Vereinsaktivitäten, der Veranstaltungen und mit Finanzen des Vereins betraut sind, sowie an Einzelpersonen, die sich in kleineren Wohnorten bürgerschaftlich engagieren und Aktionen in kleineren Rahmen durchführen. An dem Workshop haben insgesamt 20 Teilnehmer aus 13 Organisationen teilgenommen.

Inhaltlich bestand der Workshop aus 2 Teilen. Im ersten Teil ging es um die Einführung zu den gängigen Begrifflichkeiten wie:

Was bedeuten die Begriffe wie „Bürgerschaftliches Engagement“, „förderungswürdige Aktivitäten“, „entwicklungspolitische Bildungsarbeit im Inland im Unterschied zur entwicklungspolitischen Auslandsarbeit“?
Nach einem ausführlichen Input zu den Begriffserklärungen wurden in Arbeitsgruppen Diskussionen zu folgenden Fragen geführt:

Welche Aktivitäten der Migrantenorganisationen zählen zu welchen Bereichen des Bürgerschaftlichen Engagements?
Welche Aktivitäten kann man darüber hinaus noch durchführen?
Welche Aktivitäten der Migrantenorganisationen zählen zur entwicklungspolitischen Bildungsarbeit?
Wie die bisher durchgeführten Aktivitäten weiter professionalisiert werden können?
Wichtig bei der Diskussion war es konkrete Beispiele (Best Practice) anzuschauen und klare Bezüge zu den bisherigen Aktivitäten der teilnehmenden Vereine (auf Basis der Informationen in der Kennenlernrunde) aufzubauen.

Im zweiten Teil  wurden die Förderinstrumentet vorgestellt und entsprechend Tipps im Finden der Förderressourcen und Antragstellungen vermittelt. Hierzu bereiteten sich die Teilnehmer gezielt auf den Workshop vor, indem sie im Vorfeld über mögliche Förderressourcen recherchierten, einen Überblick ihrer bisherigen Aktivitäten und Fragen zur Antragstellung aufbereiteten. Dieser Teil wurde thematisch in 3 folgenden Arbeitsbereichen durchgeführt:

Arbeitsgruppe 1: Förderrichtlinien, Antragstellung, Ziele, Indikatoren, Zielgruppen

Arbeitsgruppe 2: Kostenplan, Finanzierungsplan, Abrechnung

Arbeitsgruppe 3: Öffentlichkeitsarbeit, Grafik-Design, Berichte

In jeder Arbeitsgruppe fand zunächst ein inhaltlicher Input in Form von kurzen Präsentationen statt und auf Basis dessen führten danach die Teilnehmer eine offene Frage- und Diskussionsrunde, um die Anwendung in der Praxis zu verdeutlichen und Nicht-Verstandenes oder Unklarheiten genauer zu durchleuchten. Das Besprochene in den Arbeitsgruppen wurden zum Ende hin im Plenum vorgestellt, so dass gesichert wurde, die Inhalte des Workshops für alle Teilnehmer zugänglich zu machen. Außerdem wurden in jedem Teil des Workshops und in Arbeitsgruppen jeweils eine Person zur Protokollführung beauftragt, damit die Inhalte des Workshops später als Ganzes erfasst und als Nachschlagmaterialien allen Teilnehmern zur Verfügung gestellt werden konnten.

Als Abschluss des Projekts bekamen alle Teilnehmer eine Hausaufgabe. Jede Organisation soll bis Ende 2016 mindestens eine umfangreichere Aktivität konzipiert und entsprechend einen Antrag zur Förderung gestellt haben. Die positiven Erfahrungen oder Probleme, die dabei entstanden sind, werden in einem 2. Workshop, voraussichtlich im Sommer 2017, behandelt. An dem 2. Workshop sollen externe Experten zu bestimmten Themen und Anliegen (vor allem zu Förderinstrumenten, Antragstellung sowie auch Vereinsmanagement) eingeladen, um so die erworbenen Basis-Kenntnisse und Kompetenzen mit professioneller Unterstützung ausgebaut werden können.

Feedbacks und die Besonderheiten

Die Feedbacks der Teilnehmer waren sehr positiv. Alle gaben an, dass sie durch den Workshop ein besseres Verständnis zu gängigen Begriffen bekommen haben und waren überrascht, dass ihre bisherigen Aktivitäten und ihr Engagement einen großen Beitrag im gesellschaftlichen Leben in Deutschland leisten und somit auch gefördert werden können. So wurden den Teilnehmern auch bewusst, dass es möglich ist, ihre Aktivitäten und Engagement mithilfe der finanziellen Unterstützung zu professionalisieren, zu stärken und weiter auszubauen, was wiederum ihnen hilft, ihr Engagement in der deutschen Gesellschaft sichtbarer zu machen und vor allem mehr Aufmerksamkeit zu erreichen, und so die Mitmenschen zum Mitmachen zu gewinnen.

In diesem Workshop fungierte der Verein der Mongolischen Akademiker e.V. als erfahrener Verein und gab seine Kenntnisse und Erfahrungen weiter. Das besondere an diesem Workshop war es, dass die Wissensvermittlung von Mongolen zu Mongolen stattfand, so dass die kommunikative und kulturelle Gemeinsamkeit der Teilnehmer die Effektivität und Produktivität des Workshops erhöhte. Denn, obwohl der Workshop in zwei Sprachen (Deutsch und Mongolisch) lief, fanden die Teilnehmer des Workshops es sehr hilfreich und effektiv, manche Inhalte, vor allem in den Arbeitsgruppen auf Mongolisch zu führen, da es zum besseren und schnelleren Verständnis geführt hat und die sonst zu entstehenden sprachlichen Hemmungen beiseite geschafft hat.

Der Verein ist seit 2014 Mitglied im Rat der mongolischen und mongolisch-deutschen Vereine in Deutschland und hatte die leitende Funktion im Rat für das Jahr 2016. Der Workshop wurde auf Wunsch der Mitgliedervereine des Rates organisiert. Dies erleichterte enorm viel Arbeit in Sachen Zielgruppenerreichung sowie Organisation der Maßnahme.